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Freitag, 4. September 2026

Wir leben alle unter dem gleichen Himmel - Ein Tag im Garten mit Überraschungen

 

Der Himmel am frühen Abend.

Am Dienstag war ich schon morgens im Garten, um vertrocknete Stauden samt Wurzeln auszugraben. Es macht keinen Sinn, auf Biegen und Brechen Phlox und Waldhortensien zu kultivieren, wenn sie alljährlich im Sommer vertrocknen. Bei der extremen Hitze in diesem Sommer half häufiges Gießen kaum, denn die Sonne brannte unerbittlich vom Himmel und versengte die Pflanzen.

Die gesamte hintere Gartenecke wird neu gestaltet. Dafür werde ich alle Pflanzen heraus nehmen und den Boden lockern. Dann säe ich heimische Wildblumen aus, die ohne meine Hilfe auch in den trockenen Sommern zurechtkommen werden.

Beim Graben fand ich eine hübsche Raupe mit braunroten Haaren. Sie wurde vorsichtig auf einen Glastisch gelegt, fotografiert und dann an einer anderen Stelle im Garten wieder ausgesetzt. Diese Raupe wird ein Gelber Fleckleibbär (Spilosoma lutea), auch Gelbe Tigermotte genannt, ein nachtaktiver Schmetterling.





Als ich erschöpft vom vielen Graben am Tisch saß und ausruhen wollte, ließ sich eine Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) auf dem Deckel meiner Wasserflasche nieder und trank ein Tröpfchen Mineralwasser. Sie wurde im Jahr 2004 zum 'Insekt des Jahres' ernannt und wird auch als Gemeine Winterschwebfliege bezeichnet.




An der Minze sitzen viele kleine, leuchtend blaue Käferchen. Es sind Himmelblaue Blattkäfer (Chrysolina coerulans), die sich an den Minzblättern gütlich tun und sich dabei fleißig vermehren.

Da ich ausreichend Pfefferminze und Apfelminze als Wintervorrat trocknen konnte, dürfen die Käferchen hier nun zuschlagen. Damit sie sich nicht allzu sehr vermehren, schneide ich ausgeblühte Minze ab und lasse ihnen nur noch wenige Stängel stehen.



An den noch verbliebenen Minzebüten saß eine Seidenbiene (Colletes), um Nektar zu trinken. Diese hübsche Wildbiene ähnet im Aussehen einer Honigbiene, lebt aber solitär und nistet im Erdboden.

Wenn man die Minze im Sommer kräftig zurück schneidet, dann bilden sich neue Triebe und sie blüht zum Ende des Sommers erneut.




Am Wasserdost, der im schattigen Bereich nahe am Haus wächst, saß eine Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia), die hier die perfekte Tarnung hatte. 

Wir haben -zig dieser kleinen, weißen Spinnen im Garten. Überall krabbelt der Nachwuchs herum.




Am Nachmittag entdeckte ich einen braunen Schmetterling, der an den Blüten des Teufelsabbiss Nektar trank. Es gelang mir leider keine gute Aufnahme, weil er nicht lange genug still sitzen wollte.

Erst als er am Zaungitter in der Sonne eine Pause machte, konnte ich ihn im Bild festhalten. Es ist ein Braunauge (Lassiommata maera), ein Tagfalter der auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Arten steht. 

Er lebt normalerweise an Waldrändern, auf Lichtungen und steinigen Wiesen oder Geröllfeldern. Wie schön, dass er unseren Garten besuchte!

Nachdem er sich mit Nektar gestärkt und in der Sonne ausgeruht hatte, zog er weiter.




Der Höhepunkt aber war, als ich bei dem Gelben Krätzkraut Ordnung schaffen wollte und verblühte Zweige abschnitt. Es breitet sich flächig aus und ich versuche es in Zaum zu halten. Zwischen den Zweigen einer niedrigen Herbstaster, die im Gestrüpp des Krätzkrautes zu überleben versucht, saß ein grünes Insekt.

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Ihr Name Mantis bedeutet 'Seherin' oder auch 'Wahrsagerin' und sie wurde schon von den alten Ägyptern und Römern verehrt.

Vor 10.000 Jahren aus Afrika nach Europa eingewandert, erobert sie sich, dank der Erderwärmung, vom Mittelmeerraum aus einen immer größeren Lebenskreis.

'Mein' Exemplar ist ein Weibchen, das man an dem prallen Leib erkennt, der mit Eiern gefüllt ist. Sie kann dann kaum noch fliegen und sucht sich einen Platz zum ablaichen. Ca. 200 bis 300 Eier werden in der sogeannten Oothek (schaumiges Eipaket) an Pflanzenstängeln oder an Steinen abgelegt. 

Da diese Fangschrecke in Deutschland aufgrund der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt ist, darf sie weder gefangen noch gehalten werden. Ich habe sie einfach in Ruhe gelassen und an diesem Tag auf weitere Rückschnitte in ihrer Umgebung verzichtet.

Vielleicht legt sie in unserem Garten ihre Eier ab, das wäre wirklich eine tolle Sache.






An solchen Tagen weiß ich, dass es richtig ist, meinen Garten auf Pflanzen umzustellen, die besser mit der sommerlichen Trockenheit zurecht kommen und nach Möglichkeit noch dazu heimisch sind, denn sie locken auch zum Ende des Sommers noch zahlreiche Insekten an.

Kommt alle gut ins Wochende.

Liebe Grüße aus dem Garten der Pfälzerin    🦗